Lautstärke im Nachtleben – Gesetzeslage ab 01.01.08 verschärft
Die Lage:
Jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat einen Hörschaden, viele in Verbindung mit einem Tinnitus, den sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr verlieren. Jeder dritte der heutigen Jugendlichen wird ab 50 Jahren ein Hörgerät benötigen. (Quelle: ZDF, Frontal21, 11.09.2007)
Deutschland ist in Europa bei Hörschädigungen mit Abstand führend. Die Schweiz hat längst eine db-Grenze von 96 db maximal eingeführt.

Bild: Stefan Simonsen, DDP
DJ Dr. Motte im Einsatz - viele DJs
wissen zu wenig über Lautstärke und die Folgen
Link zum Bild mit Artikel (Stern.de)
Gesetzliche Lage und Strafen:
Vielen DJs, Bands aber auch Veranstaltern, Clubbesitzern und Tontechnikern ist es nicht ganz klar.
Schon bei der momentanen Gesetzeslage, können von zu lauter Musik Geschädigte Gäste, Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld einklagen. Bei erlittenem Tinnitus (Syndrom eines statischen Pfeifens in den Ohren) sind Gesetzesurteile von ca. 5.000 – 7.000 Euro Schmerzensgeld pro Gast keine Seltenheit.
Grundsätzlich ist der DJ/die Band für die Lautstärke verantwortlich und somit auch Adressat bei Klageerhebungen. Erst an zweiter Stelle ist der Clubbetreiber, Veranstalter oder Festwirt Beklagter bei Schmerzensgeldforderungen (da der meistens auch mehr Geld hat!).
Momentan gibt es noch kein Gesetz, das die Lautstärke in gastronomischen Einrichtungen für Musik regelt.
Die Gerichte berufen sich primär auf den § 823 Abs.1 BGB:
„(1) Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum
Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“
und sekundär auf eine DIN-Norm, die Schalldrücke in db für Veranstaltungen empfielt.
Diese DIN wird zum Jahreswechsel 2007/2008 erneut verschärft. Man kann davon ausgehen, dass die Gerichte folglich auch weiterhin Bezug auf diese Empfehlungen bei zivilrechtlichen Rechtsstreitigkeiten nehmen.
Entwicklung:
Die Politik hat ohnehin ein äußerst kritisches Auge, wenn es um zu hohe Lautstärken von Musik im Nachtleben geht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis eine Gesetz mit Festsetzung von erlaubten Maximalschalldrücken verabschiedet wird. Vorreiter war in Bayern war ganz eindeutig Werner Schnappauf (bayer. Gesundheitsminister), der jetzt in die Wirtschaft als Chef des BDI (Bundesverband der dt. Industrie) gewechselt ist.
Werner Schnappauf forderte im Mai 2007 eine Festsetzung von 99db in Diskotheken und das !!!deutschlandweit!!!. Im Juli forderte Schnappauf für die Gäste eine Anzeige der Momentanlautstärke und das als Pflicht für jede Diskothek oder Club. Andere politische Entscheidungsträger fordern 95 db.
Durch Befragungen von Discobesuchern in einer wissenschaftlichen Studie hat sich als idealer Pegel der Bereich von 94-96 db in Diskos ergeben.
Die Gefahren von zu lauter Musik sind nicht zu unterschätzen - für Gast, Personal und in besonderer Weise für den DJ!

Kommentar eines Hörgeräteakustikers:
Das menschliche Gehör kann sich gut regenerieren, aber es "vergisst" nichts.
Ich selbst habe kürzlich eine junge Dame im Geschäft gehabt (Hörgeräteakustik),
die mit 17 Jahren ihre erste Diskothek besucht hat, und einen Hörsturz erlitt.
Freunde und Bekannte von mir machen seit Jahren Musik, auch professionell,
(verschiedenster Art von Rock und Metal Musik) und hatten bisher glücklicherweise
keine Probleme.
Inzwischen aber spielen auch Sie mit professionellem Gehörschutz.
SIE können sich selbst entscheiden, wie es Ihnen in ein paar Jahren gehen wird, aber die
Gesellschaft hat trotzdem die Kosten zu tragen, da wir alle in die Sozialsysteme
gemeinsam einbezahlen - dort wird aber in den nächsten Jahren nichts mehr
zu holen sein. Kunden mit 50 Jahren und jünger sind heute bei mir keine Seltenheit
mehr. Und diese tragen Hörsysteme sicherlich nicht, weil sie besonders Lust dazu
haben, sondern weil Sie beruflich und privat ohne die Dinger eingeschränkt wären. Hörsysteme
sind kein modisches Accessoires, wenn sie inzwischen kleiner sind als die Brummer vor Jahren noch.
Michael Schiller a.k.a. DJ Mike Checkoff, 2007
www.checkoffxxl.de
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